Es ist eine der schönsten Geschichten der Gastronomiegeschichte: Im Juni 1889 besuchte Königin Margherita von Savoyen Neapel. Der Pizzaiolo Raffaele Esposito von der Pizzeria Brandi wurde gebeten, drei Pizzen für die königliche Familie zu backen. Eine davon — mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum in den Farben der italienischen Flagge — soll der Königin so gut geschmeckt haben, dass er sie nach ihr benannte: die Pizza Margherita. Eine schöne Geschichte. Aber wie viel davon stimmt?

La vera pizza napoletana

Historiker haben den Brief gefunden, den Esposito angeblich von einem Hofbeamten der Königin erhielt — als Dank für die Pizzen. Das Dokument existiert tatsächlich und ist im Archiv der Pizzeria Brandi bis heute zu sehen. Allerdings zweifeln manche Historiker an der Authentizität. Was gesichert ist: Die Kombination aus Tomate, Mozzarella und Basilikum existierte in Neapel bereits Jahrzehnte früher — die Geschichte gibt ihr nur einen Namen und ein Datum.

„Die Pizza Margherita ist das Ergebnis von Jahrhunderten neapolitanischer Backkunst. Der Name ist vielleicht eine Legende — das Gericht ist es nicht.”

Was eine echte Margherita ausmacht

  • Teig — Typ-00-Mehl, wenig Hefe, lange Gare (mindestens 24 Stunden), weich und blasig am Rand
  • San-Marzano-Tomaten DOP — aus dem Anbaugebiet am Fuß des Vesuvs, süß und wenig sauer
  • Fior di Latte oder Mozzarella di Bufala — frisch, in Stücken auf die Pizza gelegt, nicht gerieben
  • Basilikum — immer frisch, immer erst nach dem Backen oder in den letzten Minuten
  • Olivenöl extra vergine — ein dünner Strich vor dem Backen
  • Salz — sparsam, da Tomaten und Käse bereits salzig sind

Tradizione e innovazione

Die STG-Zertifizierung — offizieller Schutz

Seit 2010 ist die Pizza Napoletana als STG geschützt — Specialità Tradizionale Garantita, Garantierte Traditionelle Spezialität. Die Produktionsbedingungen sind exakt festgelegt: Teigtemperatur, Garezeit, Ofentemperatur (mindestens 485°C im Holzofen), Backzeit (60 bis 90 Sekunden), Durchmesser (maximal 35 cm). Wer sich Pizza Napoletana nennt, muss sich an diese Regeln halten.

Pizza ist in Neapel nicht Fastfood — sie ist Handwerk, das Generationen überdauert

Bei Cascina backen wir unsere Pizzen im Steinofen bei sehr hoher Temperatur — der Boden knusprig, der Rand weich und leicht verbrannt. Das leichte Ankohlen des Randes ist kein Fehler, es ist ein Zeichen: cornicione, der charakteristische aufgegangene, leicht dunkle Rand der neapolitanischen Pizza. Er ist das Qualitätsmerkmal — nicht das Problem.

„Wenn der Mozzarella gut ist, muss man ihn beschützen, nicht verstecken. Keine Soße, keine Gewürzmischung. Nur er selbst.”
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Ristorante Cascina
Kirchheim bei München